Salzleckstein und Mineralbar
- Pferklaert

- 5. Okt. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 13. Okt. 2025
🧂Salz (Natriumchlorid/NaCl) ist eine Verbindung aus positiv geladenen Natrium-Ionen und negativ geladenen Chlorid-Ionen. Kochsalz, wie wir es kennen, ist das nach Wasserentzug vorliegende Natriumchlorid und gehört zu den wichtigsten Mineralstoffen in der Pferdefütterung, da es im Grundfutter kaum enthalten ist. Es ist essenziell für viele Körperfunktionen: Flüssigkeitshaushalt, Elektrolyte, Säure-Basen-Haushalt, Nerven & Muskeln, Verdauung, Blutdruck und mehr. Ohne zusätzliche Salzgabe ist Bedarfsdeckung fast unmöglich.
Der Salzleckstein ist die Standardlösung, um den Grundbedarf zu decken. Gesunde Pferde können ihn normalerweise nutzen, um ihren Bedarf selbst zu regulieren.
Salzlecksteine (egal ob Natursteine oder Industriesteine) bestehen überwiegend aus Natriumchlorid und sind somit gute Natriumchlorid-Lieferanten. Alternativ kann auch Salz direkt ins Futter gegeben werden.
Der Bedarf an Natrium (als Teil des Salzes) hängt vom Körpergewicht und der Leistung des Pferdes ab:
👉🏻Erhaltungsbedarf etwa 10g pro Tag für ein 500kg Pferd
👉🏻ca. 2–4 g Natrium / 100kg Körpergewicht pro Tag
🚨 ABER: Wann reicht der Leckstein allein nicht? 🚨
Sportpferde & starkes Schwitzen: Bei intensiver Arbeit oder Hitze verlieren Pferde viel Salz über Schweiß. 10 Liter Schweiß können 100 g Salzverlust bedeuten. Sportpferde können das 8-9-fache des normalen Bedarfs benötigen. Der Leckstein reicht dann oft nicht aus. Hier kann zusätzliches loses Salz im Futter oder Elektrolyte nötig sein.
❕Eine Studie deutet darauf hin, dass zu hohe zusätzliche Gaben Säure-Basen- & Mineralhaushalt (z.B. erhöhter Kalziumverlust) stören & Nieren belasten können. Daher prüfe den Bedarf individuell, um eine Überversorgung zu vermeiden.
⚠️Übermäßiges Lecken / „Auffressen“: Das ist kein normales Verhalten und ein Warnsignal. Mögliche Ursachen können sein:
👉🏻Salzmangel (oft Lecken an Händen, Gittern, Erde)
👉🏻Mangel an anderen Mineralien
👉🏻Langeweile (besonders bei Boxenhaltung)
Die übermäßige Aufnahme kann zu Durchfall, Kotwasser, Koliken, Nierenbelastung führen.
👉🏻Ursache suchen ist Pflicht!
Leckstein limitieren und z.B. nur am Putzplatz anbieten
🔍Aber welchen Salzleckstein nimmst du jetzt am besten für dein Pferd?
🔹 Siedesalz-Lecksteine – der Klassiker in Weiß
Die oft gesehenen weißen Blöcke bestehen aus gepresstem Siedesalz, das durch Verdampfen salzhaltigen Wassers hergestellt wird.
➖Enthält fast ausschließlich Natriumchlorid (NaCl)
➖Kann Presshilfen oder Trennmittel enthalten
➖Pferde nehmen diese Variante oft nicht so gerne an – möglicherweise, weil andere Mineralien fehlen
🔹 Natursalzsteine (Steinsalz/Bergkern)
Diese Steine werden direkt im Bergbau gewonnen, entweder aus heimischen Vorkommen (z. B. Österreich, Deutschland) oder importiert (oft fälschlich als „Himalaya-Salz“ bezeichnet, stammt meist aus Pakistan).
➖Enthalten ebenfalls hauptsächlich NaCl, aber zusätzlich Spurenelemente wie Magnesium, Kalzium oder Eisen
➖Daher oft rosa, grau oder bräunlich gefärbt
➖Beliebter bei Pferden – härter, wird eher abgeleckt als abgebissen
➖Heimisches Steinsalz punktet mit besseren Arbeitsbedingungen & kürzeren Transportwegen
🔹 Meersalz-Lecksteine
➖Aus Meerwasser gewonnen, enthalten ebenfalls NaCl + einige andere Mineralien
➖Es gibt Hinweise auf mögliche Belastung mit Mikroplastik
➖Manche Pferde lecken daran besonders im Sommer oder im Fellwechsel
❗ Wichtige Hinweise zur Verwendung
🔸 Salzlecksteine immer sauber und trocken aufhängen
🔸 Nicht in Fohlenhöhe – zu viel Salz kann Durchfall verursachen
🔸 Übermäßiges Lecken ist NICHT normal → sollte unterbunden werden
🔸 Mineralleckstein ≠ Salzleckstein
Fazit: Was ist der richtige Leckstein?
Egal ob weißer Block, rosa Stein oder Meersalz – Hauptsache, Natriumchlorid steht zur freien Verfügung.
Viele Pferde bevorzugen Natursalzsteine, und wer auf Herkunft & Transport achtet, ist mit heimischem Steinsalz gut beraten.
💡 Tipp: Man kann auch zwei verschiedene Salzarten anbieten und schauen, was das Pferd bevorzugt.
Mineralbars - Das Konzept klingt im ersten Moment natürlich und pferdegerecht:
👉🏻Mehrere verschiedene Mineralien, jeweils separat in Schalen oder Eimern, stehen dem Pferd zur freien Verfügung
💡Idee: Pferde sollen selbst entscheiden können, was sie brauchen. Ganz so, wie es wilde Pferde angeblich auch tun würden
🧠Man spricht vom „Nutritional Wisdom“, also davon, dass das Pferd instinktiv weiß, was ihm fehlt
🚨 Faktencheck: Wie zuverlässig ist der Futterinstinkt unserer Hauspferde?
Die Vorstellung, Pferde könnten sich selbst bedarfsgerecht mit Mineralien versorgen, beruht oft auf romantisierten Vorstellungen von Wildpferden.
Und ja, es gibt in der Natur Beobachtungen, dass Wildpferde mineralhaltige Erde oder bestimmte Pflanzen gezielt aufnehmen.
ABER: Unsere heutigen Hauspferde sind weit entfernt von Wildtieren.
📌 Wildpferde:
• Weitläufige, artenreiche Flächen
• Zugang zu verschiedenen Böden, Wasserquellen und Pflanzen
• Ständige Bewegung und sozialer Austausch mit der Herde
📌 Hauspferde (meistens):
• Einseitig bewachsene Weiden
• Begrenztes Umfeld ohne natürliche Auswahl
• Wenig Abwechslung im Futter
• Fehlendes „Training“ des Fressverhaltens
👉🏻Der Futterinstinkt ist also nicht genetisch fix, sondern stark abhängig von Erfahrung und Umgebung. Und diese fehlen unseren domestizierten Pferden oft.
🚨Ein weiterer Denkfehler: Viele Substanzen in Mineralbars sind nicht „natürlich“, zumindest nicht in der Form, wie sie angeboten werden. Viele Stoffe kommen in der freien Natur nicht isoliert oder in so reiner Form vor. Pferde hatten also nie die Möglichkeit, dafür einen sicheren Instinkt zu entwickeln.
Im Gegenteil: Die Aufnahme kann rein geschmacksgetrieben erfolgen, nicht bedarfsgetrieben, daher sollten Ecksteine auch nie Zucker enthalten,
🔍 Schauen wir uns einige häufige Bestandteile von Mineralbars genauer an:
Salzleckstein (Steinsalz)
✅Sinnvoll und notwendig, sollte IMMER frei verfügbar sein
👉🏻 Empfehlungen auf Bild 3
⚠️ Mehr Informationen dazu in meinem letzten Post: Teil 1 zu Salzlecksteinen
Dolomit (Kalzium/Magnesium)
❌ Oft unnötig – Kalzium im Heu meist ausreichend oder sogar im Überschuss. Phosphor, das wichtig für das Kalzium-Phosphor-Verhältnis ist, wird in Mineralbars oft vergessen. Eine Überversorgung kann Nieren belasten und andere Mineralien (Zink, Mangan und Eisen) verdrängen
Schwefel (z. B. MSM, Schwefelblüte)
❌Selten nötig – Überdosierung möglich, kann zu Wechselwirkungen mit anderen Mineralstoffen und Spurenelementen führen, abführend & belastend
Kupfersulfat (Blauer Vitriol)
✅Kupfer ist wichtig, besonders wenn Gehalte im Grundfutter niedrig sind
❌Riskant – Toxizität von Kupfer sollte nicht unterschätzt werden. Verdrängt Zink, kann die Leber schädigen, wirkt abführend und brechmittelartig → NICHT zur freien Verfügung anbieten!
Seealgenmehl
❌Enthält teils sehr viel Jod → Risiko für Überversorgung!
❗️ Für tragende Stuten völlig ungeeignet. Sollten nur wohldosiert oder kurweise gegeben werden, nicht zur freien Verfügung
Tonerde
✅Naturmaterial, traditionell für Heilzwecke eingesetzt
❌Keine Mineralquelle – kann Mineralien binden, statt sie zu liefern. Gefahr von Koliken bei zu viel Aufnahme
Kräuter & Waldboden
✅Natürlich, aber: Risiko bei freier Aufnahme → Überdosierung möglich.Lieber kontrolliert füttern oder in der Natur selbst suchen lassen
Die größten Risiken von Mineralbars:
👉🏻Fehlende essentielle Mineralien wie Zink, Magnesium, Phosphor
👉🏻Ungleichgewichte & Überversorgungen
👉🏻Nierenbelastung & Verdauungsprobleme
👉🏻Hygieneprobleme bei empfindlichen Substanzen (besonders bei Mineralbars mit in Wasser gelösten Stoffen)
Fazit: Die Idee mag gut gemeint sein, doch die Risiken überwiegen. Mineralbars bieten keine zuverlässige, sichere oder ausgewogene Mineralversorgung
👉 Hast du Erfahrungen mit Mineralbars? Oder Fragen zur Fütterung? Schreib’s in die Kommentare! 💬👇
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