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Warum Pferde nicht erbrechen können - und warum das gefährlich sein kann

  • vor 14 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Dass Pferde im Gegensatz zu vielen anderen Tierarten unter normalen Umständen nicht erbrechen können, ist eine biologische Besonderheit, die tief in ihrer Anatomie verwurzelt ist.


Während das Erbrechen bei anderen Spezies oft als Schutzmechanismus dient, um Unverdauliches oder Giftstoffe loszuwerden, fehlt dem Pferd dieses „Sicherheitsventil“ nahezu vollständig.


Der Hauptgrund für die Unfähigkeit zu erbrechen liegt am Übergang zwischen der Speiseröhre und dem Mageneingang.

👉🏻Zum einen mündet die Speiseröhre in einem spitzen Winkel in den Magen. Steigt der Druck im Mageninneren an, drückt der Mageninhalt gegen die Einmündungsstelle und verschließt diese dadurch mechanisch noch fester.

👉🏻Viel entscheidender ist jedoch der Verschluss durch den Musculus sphincter cardiae. Dieser Ringmuskel ist beim Pferd im Vergleich zu anderen Tieren besonders kräftig entwickelt und verhindert nahezu jeden Rückfluss von Mageninhalt oder Gasen.


Sollte es in extremen Ausnahmesituationen, etwa bei einer drohenden Magenzerreißung, dennoch dazu kommen, dass Mageninhalt die Speiseröhre wieder hinaufgedrückt wird, kann dieser den Körper nicht über das Maul verlassen. Das Pferd besitzt durch seine anatomischen Gegebenheiten kaum Möglichkeiten durch das Maul zu erbreschen, stattdessen kann es zum Austritt über die Nüstern kommen.


Das Fehlen dieser Fähigkeit macht das Pferd anfälliger für bestimmte lebensbedrohliche Komplikationen, sobald der normale Weitertransport der Nahrung gestört ist.


👉🏻Da überschüssiger Druck nicht nach oben entweichen kann, lastet er bei einer Überfüllung oder starken Gasbildung vollständig auf der Magenwand. Wenn der Mageninhalt beispielsweise durch stark quellendes Futter oder einen Darmverschluss massiv ansteigt, kann der Innendruck so hoch werden, dass die Magenwand reißt. Eine solche Ruptur ist ein irreversibler Notfall und verläuft fast immer tödlich.

👉🏻Dem Verdauungstrakt fließen täglich etwa 70 bis 90 Liter Flüssigkeit in Form von Speichel und Verdauungssekreten zu. Kommt es im Dünndarm zu einer Passagehemmung, staut sich diese enorme Menge unweigerlich in den vergleichsweise kleinen Magen zurück, der nur etwa 8 bis 15 Liter fassen kann. Ohne die Möglichkeit zur Entlastung durch Erbrechen führt dieser Rückfluss extrem schnell zu einer lebensbedrohlichen Madenüberladuna.

👉🏻Nehmen Pferde zu große Mengen an Stärke oder Zucker auf, können Mikroorganismen im Magen diese rasant fermentieren. Die dabei entstehenden Gase und Abfallstoffe können zu einer Magenaufgasung führen. Da auch diese Gase den fest schließenden Mageneingang nicht passieren können, drohen Gaskoliken oder ebenfalls eine Ruptur.


Wahre Prävention beginnt nicht beim Kauf eines Zusatzfutters, sondern beim Verständnis der physiologischen Zusammenhänge.


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