Salz im Sommer
- vor 2 Tagen
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Wenn das Thermometer über die 25-Grad-Marke klettert und wir uns auf den nächsten Sprung in den See freuen, beginnt für unsere Pferde oft schon der „Hitzestress“ – denn ihre biologische Wohlfühltemperatur liegt bei unseren Pferden deutlich niedriger.
Ein zentraler, aber oft hitzig diskutierter Punkt in der Sommerfütterung ist dabei die Frage: Salz und Elektrolyte zusätzlich füttern – ja oder nein? Um diese Entscheidung fundiert treffen zu können, muss man verstehen, wie effektiv – aber auch verlustreich – die Thermoregulation unserer Pferde funktioniert: Das Schwitzen ist mit einem Anteil von etwa 65 bis 70 % der wichtigste Weg der Wärmeabgabe für das Pferd.
Dabei gibt es eine entscheidende Besonderheit beim Pferdeschweiß: Im Gegensatz zum Menschen, dessen Schweiß relativ salzarm ist, verlieren Pferde einen sogenannten „hypertonen“ Schweiß. Das bedeutet, dass der Pferdeschweiß eine höhere Konzentration an Elektrolyten besitzt als das Blut selbst.
Da das Pferd diese massiven Verluste an Natrium, Chlorid und Kalium nicht unbegrenzt intern kompensieren kann, stellt uns die Sommerhitze vor eine lebenswichtige Aufgabe in der Versorgung.
🧬 Elektrolyte sind elektrisch geladene Teilchen, die für fast jeden Prozess im Körper deines Pferdes unverzichtbar sind. Man unterteilt sie in Kationen (positiv geladen) und Anionen (negativ geladen).
👉🏻Natrium (Na⁺): Es kontrolliert den osmotischen Druck außerhalb der Zellen, den Blutdruck und das Durstgefühl.
👉🏻Chlorid (Cl⁻): Es ist essenziell für die Bildung der Magensäure und reguliert zusammen mit Natrium den Säure-Basen-Haushalt.
👉🏻Kalium (K⁺): Es steuert die Muskelkontraktion, die Herzfunktion und die Erregbarkeit der Nerven.
👉🏻Calcium (Ca²⁺): Es ist der Auslöser für die Muskelanspannung und spielt eine zentrale Rolle bei der Blutgerinnung.
👉🏻Magnesium (Mg²⁺): Es wirkt als Gegenspieler zu Calcium an der Muskulatur und ist Aktivator für viele Enzyme.
📏 Den Bedarf richtig einschätzen
Um zu verstehen, wie viel dein Pferd wirklich braucht, nutzen wir ein durchschnittliches Beispielpferd von 500 kg.
❗️Für den Erhaltungsbedarf gilt als Faustregel: etwa 2 bis 4 g Natrium pro 100 kg Körpergewicht täglich
Sobald äußere Faktoren dazukommen, steigen diese Werte massiv an.
Training & Hitze ☀️💦
Ein Pferd verliert pro Liter Schweiß etwa 2,8 g Natrium, 5,3 g Chlorid und 1,4 g Kalium.
Mittleres Training (ca. 10 l Schweißverlust): Das Pferd verliert allein über den Schweiß ca. 28 g Natrium.
Neuer Tagesbedarf Na: 10 g (Erhaltung) + 28 g (Schweiß) = 38 g Na.
Rasse, Fell & Gewicht
👉🏻Kaltblüter (z. B. 800 kg): Aufgrund der größeren Körpermasse liegt allein der Erhaltungsbedarf an Salz bei ca. 40–50 g. Durch dichtes Fell und Behang (Isolationsschicht) überhitzen sie schneller und fangen früher an zu schwitzen als blütige Pferde.
👉🏻Robustrassen mit viel Behang (z. B. Tinker): Der Behang erschwert die Verdunstung des Schweißes. Das Pferd schwitzt „unökonomisch“, da der Schweiß abtropft, statt durch Verdunstung zu kühlen. Dies erhöht den Elektrolytverlust pro geleisteter Arbeitseinheit deutlich.
👉🏻Übergewichtige Pferde: Fett isoliert und produziert zusätzliche Stoffwechselwärme. Dicke Pferde schwitzen massiv mehr, um ihre Kerntemperatur stabil zu halten.
Alter
Bei alten Pferden arbeitet der Stoffwechsel oft weniger effizient, und die Thermoregulation reagiert langsamer auf Hitze.
Bei den Elektrolyten ist vor allem eine stabile Magnesium- und Kaliumzufuhr wichtig, um Herz-Kreislauf-Probleme an heißen Tagen zu vermeiden.
🧂 Die Umsetzung: So kommt das Salz ins Pferd
Ich habe bereits ausführliche Beiträge zu Salzlecksteinen und Mineralbars erstellt, in denen wir uns die Basics angeschaut haben. Doch gerade an heißen Tagen stoßen diese klassischen Lösungen oft an ihre Grenzen. Schauen wir uns an, warum das so ist und welche Alternativen es gibt.
Ein Salzleckstein gehört zur Grundausstattung in jedem Stall. Die freiwillige Aufnahme schwankt extrem zwischen 19 und 143 g pro Tag. Viele Pferde lecken schlichtweg zu wenig, um ihren erhöhten Bedarf bei Hitze zu decken.
Ein reiner Salzstein liefert außerdem nur Natrium und Chlorid – aber kein Calcium oder Magnesium, die ebenfalls über den Schweiß verloren gehen.
🥣 Supplementierung über das Futter: Welches Salz ist das richtige?
Wenn dein Pferd arbeitet oder stark schwitzt, ist die gezielte Gabe von losem Salz über das Krippenfutter (ca. 10–40 g täglich) die sicherere Methode. Aber welches Salz soll in die Schüssel?
1️⃣Siedesalz / Speisesalz:
o Sehr rein (über 99 % NaCl), oft fein gemahlen
o Wissenschaftlich gesehen die beste und günstigste Quelle für Natrium und Chlorid
o Kann Trennmittel oder Presshilfen enthalten
2️⃣Steinsalz / Natursalz (z. B. Himalayasalz):
o Unverarbeitet, direkt aus dem Bergbau
o Beliebt bei Pferden, oft weniger verarbeitet
3️⃣Meersalz:
o Durch Verdunstung von Meerwasser gewonnen
o Gilt als „natürlicher“
o Mögliche Belastungen durch Mikroplastik werden diskutiert
💡 Meine Empfehlung: Für die tägliche Bedarfsdeckung ist ein einfaches, unjodiertes Siedesalz oder Steinsalz völlig ausreichend. Mische es unter das angefeuchtete Futter, um sicherzustellen, dass dein Pferd die berechnete Menge auch wirklich aufnimmt.
⚠️ Wichtig: Große Mengen (über 30 g) sollten niemals auf einmal, sondern über mehrere Mahlzeiten verteilt und immer zusammen mit freiem Zugang zu frischem Wasser gegeben werden.
📊 Die Salz-Hochrechnung: Was steckt wirklich in deinem Löffel?
Um den Bedarf deines Pferdes exakt zu decken, müssen wir verstehen, dass Salz nicht gleich Salz ist. Der entscheidende Faktor ist der Gehalt an reinem Natriumchlorid (NaCl). Reines NaCl besteht chemisch immer zu etwa 40 % aus Natrium (Na⁺) und zu 60 % aus Chlorid (Cl⁻). Da Natur- und Meersalze jedoch nicht hochgradig raffiniert sind, enthalten sie neben NaCl noch geringe Mengen anderer Mineralien (wie Magnesium oder Calcium) und Restfeuchte, was die benötigte Gesamtmenge leicht verschiebt.
👉🏻Bei einem beispielhaften Bedarf von 12 g Natrium (entspricht ca. 30 g reinem NaCl). Das sind ca. 2 gestrichene Esslöffel Speisesalz (ein Esslöffel entspricht etwa 15 g) oder ca. 2 leicht gehäufte Esslöffel Steinsalz oder Meersalz (⚠️Achtung: Grobes Salz wiegt aufgrund der Hohlräume pro Löffel etwas weniger!). Oder in Teelöffeln: 6 Teelöffel (ein Teelöffel entspricht etwa 5 g)
💡Die Unterschiede zwischen den Salzsorten bei der täglichen Dosierung sind minimal. Ob du nun 30 g Siedesalz oder 32 g Steinsalz fütterst, macht für den Elektrolythaushalt im Alltag kaum einen Unterschied, da gesunde Pferde kleine Überschüsse problemlos über die Nieren ausscheiden.
❗️Wichtig für die Berechnung: Wenn du nur den reinen Natriumbedarf (Na) deines Pferdes kennst, multipliziere diesen Wert einfach mit 2,5, um die benötigte Menge an Salz (NaCl) zu erhalten (da 1 g Natrium in 2,5 g Salz enthalten ist).
⚡ Wann sind Elektrolytmischungen sinnvoll?
Salz (NaCl) ist der wichtigste Baustein, aber bei extremem Schwitzen (z. B. langer Wanderritt, Distanztraining oder extreme Hitzewellen) verliert das Pferd weit mehr.
In diesen Fällen reicht reines Salz nicht aus, da auch Kalium, Calcium und Magnesium massiv ausgeschieden werden.
Naturnahe Mischungen können hier ergänzt werden.
Hast du Fragen zur Dosierung für dein Pferd? Schreib es mir in die Kommentare! 👇




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