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Wie du dein Pferd richtig aufwärmst

vor 2 Tagen
4 Min. Lesezeit

Viele reiten zehn Minuten Schritt vor dem Training – einfach, weil man es schon immer so gemacht hat. Tatsächlich steckt dahinter aber deutlich mehr als reine Tradition.


Das Aufwärmen ist die Übergangsphase vom Ruhezustand zur Trainingsbelastung. Ziel ist es, Herz-Kreislauf-System, Muskulatur, Sehnen, Bänder und Gelenke schrittweise auf die bevorstehende Arbeit vorzubereiten. Dadurch können Bewegungen ökonomischer, koordinierter und sicherer ausgeführt werden.


🔬 Die positiven Effekte sind wissenschaftlich gut belegt.


Ein wirksames Warm-up erhöht die Muskel- und Körpertemperatur, verbessert die Durchblutung der arbeitenden Muskulatur und beschleunigt die Sauerstoffaufnahme. Gleichzeitig steigen Herz- und Atemfrequenz an, die Elastizität von Muskeln und Sehnen nimmt zu und die Gleitfähigkeit der Gelenkstrukturen verbessert sich. Dadurch wird die Beweglichkeit unterstützt und das Verletzungsrisiko kann sinken.


Zusätzlich zeigen Studien, dass ein Aufwärmen die Laktatbildung zu Beginn intensiver Belastungen reduziert und die aerobe Energiebereitstellung verbessert. Die Muskulatur arbeitet dadurch von Beginn an effizienter und ermüdet langsamer.


❓ Was passiert ohne Aufwärmen?

Geht ein Pferd ohne Vorbereitung direkt in die Belastung, starten Muskeln, Sehnen und Gelenke praktisch “kalt” in die Arbeit.


Dadurch kann:

  • Beweglichkeit eingeschränkt sein


  • mechanische Belastung einzelner Strukturen steigen


  • Muskulatur früher ermüden 


  • Beginn des Trainings insgesamt unökonomischer und potenziell verletzungsanfälliger werden


Studien zeigen außerdem, dass die Belastung ohne Warm-up zunächst stärker anaerob abläuft. Mit Aufwärmen verbessert sich dagegen die Sauerstoffkinetik und die Laktatakkumulation zu Beginn intensiver Arbeit fällt geringer aus.


⏱️ Wie lange sollte ein Pferd aufgewärmt werden?

Eine pauschale Minutenangabe gibt es wissenschaftlich nicht. Die aktuelle Übersichtsarbeit von Frippiat & Votion (2024) kommt ausdrücklich zu dem Schluss, dass belastbare disziplinspezifische Leitlinien bislang fehlen.


In den untersuchten Studien lagen die Warm-up-Phasen meist zwischen 10 und 20 Minuten, bei einigen Disziplinen oder höheren Leistungsniveaus auch länger. Entscheidend ist deshalb weniger die Stoppuhr als der Zustand des Pferdes.


Ich persönlich orientiere mich an einem Richtwert von 15–20 Minuten. Wenn du dir einmal wirklich einen Timer stellst, wirst du feststellen, dass unser Zeitgefühl uns häufig täuscht und diese Zeit deutlich länger wirkt, als sie tatsächlich ist.


👉 Dabei gilt für mich ganz klar: Lieber etwas zu lange als zu kurz aufwärmen. Ein paar zusätzliche Minuten lockerer Bewegung schaden einem gesunden Pferd in der Regel deutlich weniger als ein zu früher Einstieg in eine höhere Belastung.


Und noch etwas ist mir wichtig: Nur weil ein Pferd im Offenstall oder auf der Weide lebt, bedeutet das nicht automatisch, dass fünf Minuten Schritt ausreichen. Freie Bewegung ersetzt kein gezieltes Warm-up. Auch Offenstallpferde müssen sich zunächst auf die spezifischen Anforderungen des Trainings vorbereiten.


🐎 Wie sollte ein Warm-up aussehen?

Ein sinnvolles Warm-up beginnt mit lockerem Schritt und steigert die Intensität anschließend langsam.


Danach folgen beispielsweise:

  • lockerer Trab

  • große Linien

  • Bögen

  • Übergänge

  • später erst disziplinspezifische Übungen


Wichtig ist dabei vor allem, dass die Belastung schrittweise zunimmt, keine Überforderung entsteht und das Warm-up nicht bereits selbst zum eigentlichen Training wird.


⚠️ Dabei sollte man allerdings wissen: Die Wissenschaft gibt derzeit keine konkreten Übungen oder Reihenfolgen vor. Die meisten Veröffentlichungen untersuchen die physiologischen Auswirkungen des Aufwärmens oder werten aus, wie Sportreiter ihr Warm-up in der Praxis gestalten. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, welche gymnastizierenden Übungen im Detail die sinnvollsten sind oder wie beispielsweise Tragkraft, Rumpftrageapparat oder Hankenbeugung am effektivsten aktiviert werden.


🐴 Nicht jedes Pferd braucht das gleiche Warm-up.


Wie lange und intensiv ein Pferd aufgewärmt werden sollte, hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:

  • Alter

  • Trainingszustand

  • Haltung

  • Jahreszeit

  • Vorerkrankungen


Gut trainierte Pferde erreichen die gewünschten Temperatur- und Anpassungseffekte häufig schneller als untrainierte Pferde.


Ältere Pferde benötigen dagegen meist mehr Zeit, da Gewebeelastizität und Beweglichkeit langsamer zunehmen.


Auch Pferde mit viel täglicher freier Bewegung – beispielsweise in großzügiger Weide- oder Offenstallhaltung – finden häufig schneller in einen lockeren Bewegungsablauf als Pferde mit wenig Alltagsbewegung.


Bei kalten Temperaturen oder nach längeren Trainingspausen sollte die Aufwärmphase ebenfalls verlängert werden.


Besonders wichtig ist ein individuell angepasstes Warm-up außerdem bei Pferden mit Arthrose, Rückenschmerzen oder Atemwegserkrankungen, da sie mehr Zeit benötigen, um Bewegungsfluss, Atmung und muskuläre Koordination optimal aufeinander abzustimmen.


💡 So gestalte ich persönlich mein Warm-up


Wenn es die Anlage zulässt, beginne ich bereits nach dem Putzen. Ich gehe zunächst etwa 5–10 Minuten mit meinem Pferd über den Hof oder verschiedene feste Untergründe. Das bringt den Kreislauf langsam in Gang und bietet gleichzeitig unterschiedliche Reize für die Propriozeption – also die Wahrnehmung der eigenen Körperstellung und Bewegung.


Anschließend geht es auf den Reitplatz oder in die Halle.


Die ersten etwa zehn Minuten steige ich grundsätzlich noch nicht auf. Gerade beim Reiten möchte ich, dass sich mein Pferd zunächst ohne zusätzliches Reitergewicht lösen kann. Insgesamt wärme ich beim Reiten deshalb meist länger auf als bei reiner Bodenarbeit.


Ich beginne mit lockerem Führen im Schritt auf beiden Händen und baue zunächst einfache Übungen ein:

✔️ Anhalten und wieder angehen

✔️ Handwechsel

✔️ große Bögen und Bahnfiguren


Erst wenn das Pferd locker wird, folgen für mich gymnastizierende Übungen wie:

  • kleinere Volten

  • Übertreten

  • Rückwärtsrichten

  • Übungen zum Öffnen der Schulter (z. B. bei engstehenden Pferden)

  • Gewichtsverlagerungen

  • Übungen zur Hankenbeugung

  • Aktivierung der Rumpfmuskulatur


Erst danach steige ich – wenn ich reiten möchte – auf und wiederhole die Lösungsphase noch einmal unter dem Sattel. Die ersten Trabphasen und Übergänge folgen bei mir erst, wenn sich das Pferd im Schritt wirklich locker und losgelassen anfühlt.


🙋 Und was ist mit dem Reiter?

Mindestens genauso wichtig: Auch wir sollten uns aufwärmen.


Wer selbst mit kalten, verspannten Muskeln aufsteigt, nimmt diese Einschränkungen mit in den Sattel.


Deshalb mobilisiere ich vor dem Reiten bewusst:

✔️ Schultern

✔️ Arme

✔️ Brustwirbelsäule

✔️ Hüfte und Becken

✔️ Beine


Nur wenn auch wir beweglich und locker sind, können wir fein einwirken und unser Pferd in seiner Bewegung sinnvoll unterstützen.


Wie wärmst du dich und dein Pferd auf? Was hat sich bei dir als effektiv erwiesen? 🏃🏼‍♀️🐎

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